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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

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Die Sprüche.

Kapitel 8.

Die Einladung der Weisheit zu ihrem Mahl und der Lockruf der Thorheit.

1 Wohlan, die Weisheit ruft,

und die Einsicht läßt ihre Stimme erschallen.
2 Oben auf den Höhen am Wege,
mitten auf den Steigen hat sie sich aufgestellt.
3 Neben den Thoren, wo die Stadt sich öffnet,
am Eingange der Pforten ertönen ihre Rufe:
4 An euch, ihr Männer, ergeht mein Ruf,
und meine Stimme an die Menschenkinder.
5 Begreift, ihr Einfältigen, Gescheidheit,
und ihr Thoren, begreift Verstand!
6 Hört zu, denn was edel ist, will ich reden,
und meine Lippen sollen sich öffnen zu dem, was recht ist.
7 Denn Wahrheit redet mein Gaumen,
aber Gottlosigkeit ist meinen Lippen ein Greuel.
8 Rechtbeschaffen sind alle Reden meines Mundes;
in ihnen ist nichts Hinterlistiges oder Falsches.
9 Insgesamt sind sie klar für den Verständnisvollen
und einfach für die zur Erkenntnis Gelangten.
10 Nehmt meine Zucht lieber an als Silber
und Erkenntnis lieber als auserlesenes Gold.
11 Denn die Weisheit ist köstlicher als Korallen,
und keinerlei Kleinode kommen ihr gleich.

12 Ich, die Weisheit, habe Gescheidheit inne
und verfüge über umsichtige Erkenntnis.
13 Jahwe fürchten ist Hassen des Bösen;
Hoffart, Hochmut und bösen Wandel,
sowie den Mund der Verkehrtheit hasse ich.
14 Mein ist Rat und Tüchtigkeit;
ich bin Einsicht, mein ist Stärke.
15 Durch mich üben die Könige Königsmacht,
und beschließen die Gewaltigen, was recht ist.
16 Durch mich üben die Herrscher Herrschermacht
und die Edlen, alle Richter auf Erden.
17 Ich habe lieb, die mich lieb haben,
und die nach mir suchen, werden mich finden.
18 Reichtum und Ehre sind bei mir,
uraltes Gut und Gerechtigkeit.
19 Meine Frucht ist köstlicher als Edelmetall und Feingold,
und mein Ertrag wertvoller als auserlesenes Silber.
20 Auf dem Pfade der Gerechtigkeit wandle ich,
mitten auf den Steigen des Rechts,
21 daß ich denen, die mich lieb haben, Besitztum zu eigen gebe
und ihre Schatzkammern fülle.

22 Jahwe schuf mich als den Anfang seiner Wege,
als erstes seiner Werke, vorlängst.
23 Von Ewigkeit her bin ich eingesetzt,
zu Anbeginn, seit dem Ursprunge der Erde.
24 Als die Urfluten noch nicht waren, wurde ich geboren,
als es noch keine Quellen gab, reich an Wasser.
25 Ehe die Berge eingesenkt waren,
vor den Hügeln wurde ich geboren,
26 ehe er noch Land und Fluren geschaffen hatte
und die Masse der Schollen des Erdkreises.
27 Als er den Himmel herstellte, war ich dabei,
als er die Wölbung über dem Ocean festsetzte,
28 als er die Wolken droben festigte,
als Haltung gewannen die Quellen des Oceans,
29 als er dem Meere seine Schranke setzte,
daß die Wasser seinen Befehl nicht überschreiten durften,
als er die Grundfesten der Erde feststellte:
30 da war ich ihm als Werkmeisterin zur Seite;
da war ich ganz Entzücken Tag für Tag,
spielend geschäftig vor ihm zu jeder Zeit,
31 spielend auf seinem Erdenrund,
und hatte mein Entzücken an den Menschenkindern.

32 Nun denn, ihr Söhne, gehorcht mir!
Denn: wohl denen, die meine Wege einhalten!
33 Hört auf Zucht, daß ihr weise werdet,
und schlagt sie nicht in den Wind.
34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht,
so daß er Tag für Tag an meinen Thüren wacht,
indem er die Pfosten meiner Thore hütet.
35 Denn wer mich findet, der findet Leben
und erlangt Wohlgefallen von Jahwe.
36 Wer mich aber verfehlt, der frevelt gegen sich selbst;
alle, die mich hassen, wollen den Tod.